Stinkbomben waren gestern – Schülerstreiche mit Pfefferspray

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Wer im Besitz eines Pfeffersprays ist, sollte sich im Klaren über dessen Wirkung sein und dementsprechend auch verantwortungsvoll damit umgehen. Doch leider zeichnet sich ein unguter Trend unter Schülern ab. Denn in den letzten Monaten gab es vermehrt Fälle, in denen Schüler Pfefferspray in Schulgebäuden versprühten. Dutzende von Schülern und Lehrern mussten mit Augenreizungen und Atembeschwerden ins Krankenhaus gebracht werden. Gestern gab es im mittelhessischen Gießen einen erneuten Zwischenfall.

Zombie peppersprayOffenbar haben einige Hersteller von CS-Gas und Pfefferspray Jugendliche als Zielgruppe für sich entdeckt und Produkte auf den Markt gebracht, die in Aufmachung und Preis eine junge Käufergruppe ansprechen. Pfefferspray unterliegt keiner Altersbeschränkung und kann daher auch von Schülern problemlos erworben werden.

11. Mai 2015, Gießen

Gestern ist eine Schule teilweise geräumt worden, weil ein Unbekannter Pfefferspray versprüht hat. 46 Schüler und eine Lehrkraft hatten über Atemwegsreizungen geklagt. Polizei und Feuerwehr rückten an. Acht Schüler und eine Lehrerin sind leicht verletzt worden. Der Unterricht konnte am späten Vormittag fortgesetzt werden.

09. Dezember 2014, Hamburg-Wilhelmsburg

Mit Pfefferspray verletzte ein Unbekannter bei einer Weihnachtsfeier in einer Schule mehrere Schüler. 15 Kinder und Jugendliche klagten über Augenreizungen und Atembeschwerden, fünf von ihnen kamen ins Krankenhaus. Wer das Pfefferspray versprühte, blieb unklar. Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort.

09. Dezember 2014, Ochtrup (Kreis Steinfurt)

Mit Pfefferspray löste ein Schüler in einer Hauptschule einen Großeinsatz des Rettungsdienstes aus. 44 Jugendliche mussten mit gereizten Schleimhäuten behandelt werden, zwölf von ihnen kamen zur Beobachtung ins Krankenhaus. Insgesamt waren sechs Notärzte und mehr als 60 Einsatzkräfte an der Schule. Auch ein Rettungshubschrauber war im Einsatz. Laut Polizei hat der jugendliche Schüler wohl nicht absichtlich mit dem Pfefferspray auf seine Mitschüler gezielt. Viele Schüler seien in die Wolke hineingelaufen.

24. November 2014, Clausthal-Zellerfeld

Durch Pfefferspray wurden in einer Schule 29 Menschen verletzt. Alle hätten unter Atemwegsbeschwerden und Augenreizungen gelitten, sieben Menschen sind in umliegende Krankenhäuser gebracht worden. Ein Schüler habe im Keller des Gebäudes das Spray in die Luft gesprüht. Anschließend habe sich das Gemisch schnell in allen drei Stockwerken der Schule verbreitet. Das Gebäude sei umgehend evakuiert und in der Turnhalle eine Sammelstelle eingerichtet worden. Hier sind die Schüler versorgt und später ihren Eltern übergeben worden. Die Schule fiel für den Rest des Tages aus.

Die Helfer rückten mit einem Großaufgebot an. Mehrere Ärzte mit Rettungswagen und mehr als 100 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz halfen bei der Versorgung der Schüler. Möglicherweise seien einige verletzte Schüler nicht erfasst worden, weil sie direkt nach dem Vorfall nach Hause gegangen seien. Auch in diesem Fall hoben die Ermittler hervor, dass das Spray nicht direkt gegen Mitschüler eingesetzt worden sei.

20. Mai 2014, Aßlar (Lahn-Dill-Kreis)

Ein zwölfjähriger Junge hatte an einer Schule Pfefferspray versprüht – damit sorgte er für einen Einsatz von Rettungskräften und das vorzeitige Ende des Unterrichts. 15 Schüler sind nach dem Vorfall vorübergehend zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht worden.

Weitere Schüler wurden vorsorglich in einer Turnhalle untersucht. Der Unterricht war für diesen Tag zu Ende, die Schüler wurden nach Hause geschickt. Nach den ersten Ermittlungen der Polizei hatte der Zwölfjährige während der Pause kurz vor zehn Uhr in einem Schulflur vor Mitschülern das Spray versprüht. Dieses hatte er selbst mitgebracht. Kurz darauf klagten die Schüler über Hautreizungen und Probleme beim Atmen. Die Schulleitung alarmierte daraufhin die Rettungskräfte und die Polizei.

Fazit

Ob beabsichtigt oder nicht, die Folgen solcher Schülerstreiche sind für alle Beteiligten einschneidend. In aller Regel kommt es zu einem Einsatz von Polizei und Feuerwehr, da die Gebäude komplett geräumt und belüftet werden müssen. Die Kosten des Einsatzes sind überwiegend vom Verursacher bzw. dessen Erziehungsberechtigten zu tragen. Und wenn Du hier aufmerksam gelesen hast, wird Dir bewusst werden, dass der Einsatz von Polizei und Feuerwehr mit einigen Dutzend Einsatzkräften, eventuell noch mit Hubschrauber und anderem schweren Gerät, leicht mal sechsstellige Kosten verursachen kann.

Ganz zu schweigen von den juristischen Folgen. Polizei und Staatsanwaltschaft werden gegen den Verursacher wegen des Verdachts auf Körperverletzung ermitteln.

Hier sehe ich in erster Linie die Hersteller und Händler in der Verantwortung. Pfefferspray – für das offenbar gezielt unter Jugendlichen geworben wird – ist bereits ab 2,95 Euro zu bekommen. Aber auch Eltern, die ihr Kind mit einem eigenen Abwehrspray ausstatten möchten, sollten hier aufklären und den Umgang mit dem Spray üben.

Pfefferspray wird in Deutschland als Abwehrmittel gegen Tiere verkauft. Eine Anwendung gegenüber Menschen ist nur in Fällen von Notwehr erlaubt. Es wird von der Polizei bei Ausschreitungen eingesetzt. Der Wirkstoff Oleoresin Capsicum führt unmittelbar zu einer Schwellung der Schleimhäute und, damit verbunden, zum Schließen der Augenlider für ungefähr fünf bis zehn Minuten. Einatmen von Pfefferspray führt zu Husten und Atemnot.

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