Pfefferspray im US-Gerichtssaal: Kreative Gerechtigkeit

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Wow, die letzten Tage ging eine Meldung über ein Gerichtsurteil aus den USA durch die Medien, das zum Teil recht kontrovers diskutiert wird. Ein Boulevard-Blättchen schrieb in bekannt überspitzter Weise, das Opfer durfte sich an der Täterin mit Pfefferspray rächen. Rache?! Nein, mir mißfällt die Wortwahl in diesem Kontext. Wohl eher ein Denkanstoß für die Täterin und eine Genugtuung für das Opfer. Sicher, der Grad ist schmal. Der Richter Michael Cicconetti überließ der verurteilten Täterin die Wahl der Bestrafung: 30 Tage Gefängnisstrafe oder selbst Opfer einer Pfefferspray-Attacke werden. Sie entschied sich für letztere Strafe, die auch gleich an Ort und Stelle vollzogen wurde. Das Opfer durfte der Täterin Pfefferspray ins Gesicht sprühen.

Was die Täterin nicht wusste, das vermeintliche Pfefferspray war lediglich ein Trainingsspray ohne Wirkstoff. Also völlig harmlos. Ich bin mir jedoch sicher, dass bereits die Erwartung eines bevorstehenden Pfefferstrahls zu einem Umdenken und zu echter Reue bei der Täterin führten. Der Richter nennt das „kreative Gerechtigkeit“. und verteidigt die Aktion:

Ich möchte nicht, dass Menschen irgendwann wieder in meinem Gerichtssaal stehen, deswegen habe ich keine Angst davor, sie so zu erschrecken … Ich mache das nicht, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Ich will, dass die Menschen sich ändern … Jemanden ins Gefängnis zu schicken, ist einfach. Sich alternative Bestrafungsmethoden auszudenken, ist hingegen harte Arbeit.

Richter Cicconetti, seit mehr als 21 Jahren in Painesville (Ohio) im Amt, ist mittlerweile eine Art Berühmtheit. Seine „Kreativ“-Urteile minimieren die eigentliche Strafe (Geldstrafe, Haft etc.), ersetzten sie aber nicht komplett. Die Angeklagten hatten jeweils die Wahl, die ungewöhnliche Strafe anzunehmen oder ihre eigentlich festgelegte Strafe komplett abzusitzen. Diese Alternativ-Angebote macht der Richter nur Ersttätern.

Kreative Urteile

michael-cicconetti

  • Richter Cicconetti verurteilte eine junge Frau dazu, selbst eine Nacht im Wald zu verbringen, nachdem sie 35 kleine Kätzchen im Wald aussetzte – im November, ohne Decke, Wasser, Essen, Licht oder Regenschutz. Als sich das Wetter jedoch verschlechterte, ließ der Richter sie aus dem Wald holen und bis Tagesanbruch ins Gefängnis stecken.
  • Eine Frau fuhr 30 Meilen (umgerechnet 48 Kilometer) mit dem Taxi, ohne zu bezahlen. Der Richter ließ sie dieselbe Strecke zu Fuß marschieren.
  • Betrunkene Autofahrer und auch Waffennarren wurden in die Leichenhalle geschickt, um Unfallopfer und Opfer mit Schusswunden anzusehen.
  • Eine Studentengruppe schlitzte die Reifen eines Schulbusses auf. Der Richter ließ die Täter ein Picknick für die Schüler der Grundschule organisieren, da wegen der kaputten Reifen ein Ausflug abgesagt werden musste.
  • Ein Mann erschoss einen Hund. Jetzt muss er jedes Jahr Hundefutter ans lokale Tierheim spenden.
  • Ein Mann klaute eine Spendendose der Heilsarmee. Cicconetti verurteilte ihn dazu, einen Tag lang selbst als Obdachloser auf der Straße zu leben.
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